Wer am letzten Mai-Wochenende im Rebberg Reichenbach arbeitete, wurde angenehm überrascht: Der Hochsommer, der sich aussergewöhnlich früh mit mehreren Hitztage in Folge eingestellt hat, hat die Reben im Rebberg Reichenbach bereits zum Blühen gebracht!
Früheste Blüte überhaupt
Mercurius Weisenstein, der seit der Bestockung Statistik führt, hat gar registriert, dass es sich um die früheste Blüte überhaupt handelt: Wie der ehemalige Betriebsleiter und heutige önologische Berater der RGR beobachtete, setzte die Blüte bereits am 25. Mai 2026 ein.
Handelt es sich um ein Einzelereignis? Oder kann er kontinuierlich beobachten, dass die Reben Jahr für Jahr früher blühen? Mercurius Weisenstein verneint, was die Regelmässigkeit betrifft: Die Entwicklung verlaufe «eher sprunghaft».
«Es gibt eher die Möglichkeit,
hochreife Trauben für spezielle Projekte
zu ernten,
etwa für Süsswein oder Porto.»
Es handelt sich aber auch nicht um ein Einzelereignis. Bereits 2007 bemerkte Mercurius Weisenstein eine ähnlich frühe Blüte. Auch in den Jahren 2011 und 2020 blühten die ersten Reben schon Ende Mai. Die späteste Blüte notierte er 2008 (18. Juni) und 2013 («Ende Juni»).
Eine gewisse Streuung verzeichnete er auch bei den verschiedenen Sorten (2-4 Tage Differenz), wobei Pinot Noir immer zu den ersten gehört. Zudem kann die Blüte zwischen den westlichsten und den öslichst stehenden Reben in der gleichen Reihe 2-3 Tage differieren (wegen der Hangkrümmung und wegen der Bise auf der Ostseite).
Mehr Zeit zum Reifen
Was bedeutet die frühe Blüte für den neuen Jahrgang? «Von Vorteil ist die etwas verlängerte Zeit, um die optimale Reife zu erreichen im Herbst», antwortet Mercurius Weisenstein: «Es gibt eher die Möglichkeit, hochreife Trauben für spezielle Projekte zu ernten, etwa für Süsswein oder Porto.»


